Großer Fibromyalgie-Vortrag
Wittgensteiner Arzt
referiert erfolgreich auf dem Deutschen Fibromyalgie–Tag
in
Potsdam am 3.5.2008
Der Arzt für Allgemeinmedizin und
Ganzheitsmediziner Dr. Weskott,
Schwerpunkt Stoffwechselmedizin, aus Erndtebrück, war einer der Hauptreferenten
des Deutschen- Fibromyalgie-Tages, der diesem Jahr in Potsdam, im Kongress-Hotel
am Templiner See statt- fand.
Dr. Harald Weskott gehört zu
den wenigen deutschen Medizinern, die sich seit Jahren intensiv mit dem
Krankheitsbild der Fibromyalgie, sowohl in ihrer ganzheitsmedizischen
Diagnostik, wie auch in ihrer intensiven Stoffwechseltherapie beschäftigt.
Weskott war deshalb von der Deutschen Gesellschaft für Fibromyalgie nach Potsdam als Referent zu dem diesjährigen Kongress eingeladen worden.
In
einem über einstündigen Power- Point- Referat stellte
der südwestfälische Mediziner vor über 150 Zuhörern
die Ursachen dieser psycho-, neuro-, immuno-, endokrinologischen Erkrankung dar,
die
vom klinischen Befund her durch die typischen chronischen
Muskel- Weichteilschmerzen, sowie die Tender Point - Schmerzen charakterisiert
ist.
Weskott unterscheidet vier
typische Stadien der Fibromyalgie:
Im ersten
Stadium
imponieren Störungen des Säure-Basen-Haushaltes mit deutlicher Übersäuerung des
Bindegewebes und beginnender Verschlackung, mit dezenten Schmerzen im Bereich
der Tender Points, sowie den typischen Rückenschmerzen.
Im zweiten
Stadium der
Fibromyalgie kommt es durch eine zunehmende Dysfunktion des Darmes mit Bildung
eines Leaky gut-Syndroms (Syndrom des löchrigen Darmes), nicht zuletzt bedingt
durch Nahrungsmittelunverträglichkeiten bei gleichzeitig bestehenden,
ausgeprägten Störungen des Darmmikrobiums, zu zunehmenden
Belastungserscheinungen des Bindegewebes mit Einlagerung von Schwermetallen,
Pestiziden, Herbiziden etc., was die Elastizität und die Bindungsfähigkeit des
Bindegewebes weiter verschlechtert. In der Folge kommt es zur weiteren
Verschlimmerung der bestehenden Schmerzen. Da ursächlich für das Fibromyalgie-Syndrom
typische Stoffwechselstörungen, genetisch bedingt, im Bereich der Entgiftung
sind, ist der Körper nicht in der Lage die Giftstoffe auszuscheiden (über Leber,
Niere, Darm),sodass diese sich damit im Körper anreichern.
Das dritte
Stadium ist
gekennzeichnet durch das Vollbild von der Darmstörung (Leaky gut-Syndrom,
Dysbiose) mit hochgradiger Verschlackung des Bindegewebes bei gleichzeitig
zunehmender Übersäuerung des gesamten Körpers. (Mangel an Säurepufferkapazität).
Im Bereich der Darmfunktion kommt es jetzt zu einer ausgeprägten Störung der
Resorption von Aminosäuren und Mineralien sowie Vitaminen, was in allen
wichtigen Organen, vor allem in den
Mitochondrien der Körperzellen zu einer ausgeprägten Zunahme der „Freien
Radikalen“ führt.
Das vierte
Stadium, welches
dynamisch aus dem dritten Stadium hervorgeht, zeigt dann das Vollbild der
schweren Fibromyalgie mit ausgeprägter toxischer Störung des
Gehirnstoffwechsels, wobei vor allem die Neurotransmitter betroffen sind; durch
Mangel an Aminosäuren, Vitaminen und Mineralien sowie durch die schlechte
Darmsituation, ist ein geregeltes Miteinander der exzitatorischen und
inhibitorischen Neurotransmitter nicht mehr möglich. Es kommt zu einer
ausgeprägten Verstärkung der Schmerzen, zunehmender Müdigkeit, Schlafstörungen,
Missempfindungen, chronische Kopfschmerzen, Essstörungen, Depressionen, bis hin
zu Angst-Störungen, sowie Panikattacken.
Das Gehirn ist
hochempfindlich gegenüber oxydativem Stress, nicht zuletzt durch den hohen
Gehalt an Omega3-Fettsäuren, der einhundert Milliarden Gehirnzellen. Da sich
gleichzeitig sehr viele Schwer- und Leichtmetalle, insbesondere Quecksilber,
Blei, Cadmium, Nickel, Aluminium und andere im Gehirn ablagern, kommt es zur
ausgeprägten Stoffwechselstörung und einem enormen Anstieg des oxidativen
Stresses, bedingt durch vermehrte freie Sauerstoff- und Stickstoffradikale.
Zusätzlich ungünstig wirken
sich genetisch bedingte Veranlagungen aus, wie Hypo-methylation, mitochondrale
Dysfunktion, oder verstärkte chronische Entzündungsreaktionen im Stoffwechsel
und endokrine Dysbalancen aus. Diese aktivieren bei einem Mangel an
Antioxidantien die sog. „Parp-Kaskade“, die zur Apoptose und damit zum
gesteuerten Zelltod führen kann.
Durch derartige ungünstige
Stoffwechselkaskaden kommt es zu hochgradiger Schädigung der Nervenzellen des
Gehirns, bis hin zum Nervenzelltod mit ausgeprägten Entzündungs-reaktionen der
benachbarten Hirnzellen, die für den Nervenzelluntergang wichtiger zerebraler
Zentren verantwortlich sind (Nucleus caudatus Meinert, Substantia nigra, um nur
einige zu nennen).
Die ausgeprägten
Schädigungen des Gehirns im Stadium vier der Fibromyalgie sind nur durch eine
konsequente Stoffwechseltherapie in den Griff zu bekommen wobei neben einer
konsequenten Schwermetallentgiftung, die Gabe von Antioxidantien an erster
Stelle steht. Um die „Parp Kaskade“ mit dem Bruch der DNA-Stränge, und
schließlich den neuronalen Zelltod mit exzessiver Apoptosis und Nekrose, auch im
Bereich der benachbarten Zellen, zu verhindern.
Antioxidantien wie NAC,
Ginkgo, Resveratrol, Betacarotin, Q10, Alpha-Liponsäure, Vitamin E, hochdosiert
Vitamin C, unterstützt durch wichtige Vitalstoffe für den Gehirnstoffwechsel wie
vor allem die Omega3-Fettsäure DHA (Docosahexaensäure) EPA, die
Eicosapentaensäure, Alpha-Liponsäure, Acethyl-L-Carnitin sowie die B Vitamine
B1, B6, B9, B12. Im Bereich der Mineralien Magnesium, Zink und Eisen sowie
Kupfer und Mangan.
Die
weitere Therapie der Fibromyalgie gestaltet sich nach einer derartig intensiven
Stoffwechselanalyse mit Darstellung der bestehenden Dysbalancen und
Dysfunktionen dahingehend, dass unbedingt versucht werden muss, diese
Stoffwechselstörungen, Fehlregulationen, Vitalstoffmangelzustände,
Entzündungsaktivitäten, Schadstoffbelastungen mit häufig völliger Dysbalance des
Säure-Basen-Haushaltes und hochgradiger Instabilität im Bereich des Redoxsystems
mit
vermehrtem oxidativen Stress, so früh wie möglich
therapeutisch anzugehen und zu normalisieren.
Zur Sanierung des
Magen-Darm-Traktes, mit Schließen eines evtl. bestehenden Leaky gut-Syndroms,
ist das strikte Meiden von unverträglichen Nahrungsmitteln geboten. Nach
sorgfältiger Reinigung des Darmes(eventuell mit Colon-Hydrotherapie initial)
wird die gestörte Darmflora therapiert, pathogene Anaerobier oder Aerobier
eliminiert. Eine konsequente Darmtherapie mit Präbiotika und vor allem
Probiotika kombiniert mit therapeutisch wertvollen Gerbsäuren, Topinambur und
Enzymen, wird sich etwa über ein bis eineinhalb Jahre hinziehen.
Parallel dazu ist der
Säure-Basen-Haushalt konsequent zu therapieren. Durch die venöse Bluttitration
nach Stirum wird die durchzuführende Therapie genau dargestellt. Eine häufig
bestehende komp. metabolische Azidose bedarf der Gabe von typischen Basen
(Bikarbonat)-Vitamin-Mineral-Infusionen.
Handelt es sich mehr um eine
Minderung der Pufferkapazität im Bereich der extrazellulären
Gewebsflüssigkeiten, braucht der Körper konsequent Bicarbonat (den Wunderstoff
zur Eliminierung von Säuren (H-Ionen) im Körper. Daneben muss unbedingt der Darm
saniert werden, der die für den Stoffwechsel so enorm wichtigen Mineralien,
resorbieren muss.
Handelt es sich um eine
zellulär betonte Übersäuerung, so muss neben Initial durchzuführenden
Basen-Vitamin-Mineral-Infusionen, konsequent die Entgiftung von Schwermetallen
forciert werden, die neben einem Kalium-Mangel mitverantwortlich für die
mangelnde Pufferkapazität der Erythrozyten ist. Nur der harmonisierte
Säure-Basen-Haushalt ist der Garant optimaler Enzymfunktionen im
Körperstoffwechsel.
Im Weiteren ist die
Entgiftung zu forcieren, wobei unbedingt eine diagnostizierte
Schwermetallbelastung durch Chelat-Therapie (DMSA, DMPS, EDTA), anfangs als
Infusion, später als Kapseln und Zäpfchen, durchgeführt werden sollte. Der
versierte Chelat-Therapeut und Stoffwechselexperte wird diese Therapie
durchführen können.
Die Therapie des „oxidativen
Stress“ des Stoffwechsels mit vermehrten „freien Radikalen“ ist ursächlich zu
therapieren. Die wichtigsten Verursacher sind Schwermetalle, Aluminium,
Herbizide, Pestizide, Xenobiotika, um nur die wichtigsten zu nennen; diese sind
zu eliminieren (Chelatweg). Die Entgiftung muss optimiert werden. Durch
konsequente Gabe von Vitalstoffen, Aminosäuren und Mineralien muss auf die
jeweilige genetische Situation des Einzelnen angepasst, ein optimaler Übergang
der Phase 1 in die Phase 2 der Entgiftung erfolgen, um den schwerwiegenden „oxidativen
Stress“ in der Intermediär-Phase zu vermeiden.
Desgleichen muss die
Mineralien- und Vitalstoffversorgung der Milliarden von Mitochondrien optimiert
werden, um die Oxidation von mitochondralen Zellbestandteilen zu verhindern.
Durch UV-, radioaktive oder elektro-magnetische Strahlung, aber auch durch
Schwermetalle, Alkohol, Medikamente und Konservierungsmittel kann es über
Lipidperoxidation zu schweren Zellschädigungen, bis hin zum Zelltod kommen.
Eine besondere Bedeutung
kommt der Sanierung des Hirnstoffwechsels zu, (s.o.), wobei unbedingt das
komplette Netzwerk bestehend aus Hormonen, Neurotransmittern, Neuropeptiden und
Zytokinen so reguliert werden muss, dass die psycho-neuro-immuno-endokrinologische
Balance und Stabilität wieder hergestellt werden kann.
Hierfür
muss die chronische Stressbelastung mit fortdauernder Ausschüttung von
Neurotransmittern und Kortisol normalisiert werden, um die tiefgreifenden
Veränderungen der neuro-endokrinen Stress-Antwort sowohl auf Seiten der
Monoaminoneurotransmitter PEA, Noradrenalin, Dopamin und Serotonin, wie auch auf
der Seite des
CRF, ACTH, Kortisol-Management über die
Hypothalamus-Hypophyse-Nebennieren-Stressachse.
Eine bei chronischer
Stressbelastung zunehmende Hemmung der Neurotransmitter-produktion ergibt bei
erhöhten Verbrauch durch zusätzliche Desensibilisierung der postsynaptischen
Monoaminrezeptoren einen ausgeprägter funktioneller Mangel, sowohl an Serotonin,
wie auch an Melatonin, was sich in Antriebsschwäche, zentraler Ermüdung,
Stimmungsschwankung, bis zur ausgeprägten Depression, Schlafstörungen und
kognitiven Einbußen und ungezügeltem Appetit (Heißhunger) äußert, bzw. äußern
kann.
Da das Epiphysenhormon
Melatonin aus Serotonin synthetisiert werden muss, entwickelt sich bei einem
Serotoninmangel zusätzlich ein Melatonin-Defizit, welches die Symptomatik des
Serotoninmangels hinsichtlich Schlafstörung verschärft. Außerdem führt der
Neurotransmittemangel retrograd zu Störungen der wichtigsten Stressachse des
Menschen (Hypothalamus, Hypophysenvorderlappen, Nebennierenachse) mit zunehmend
insuffizienter Stressreaktion.
Bei genetisch empfindlichen
Personen mit Polymorphismen des Kortikoidrezeptors, kommt es so zur
Desensibilisierung der Kortikoidrezeptoren mit entsprechender Kortikoidresistenz;
was sich in zentraler Ermüdung, Depression, Gewichtszunahme und Schlafstörung
unmittelbar als Dysregulation der Glyokortikoidachse darstellt und sich zu den
Störungen der Serotonin-Neurotransmitter-Dysfunktion gesellt und diese Symptome
noch weiter verstärkt.
Herausragende Bedeutung in
diesem Zusammenhang chronischer Stresszustände besitzt der CRF-Corticotropin
releasing Faktor. Dieser Stoff steht nicht nur an der Spitze der
Aktivierungskaskade, sondern hat unabhängig davon auch direkte periphere
Wirkung. CRF-positive Neuronen, die sich überall im Gehirn, vor allen Dingen
aber im Hypothalamus finden, sind mitverantwortlich für die direkten vegetativen
und psychischen Komponenten der Stress-Reaktion.
Sie wirken mit bei der
Steuerung des Appetits, der Energiebereitstellung, der Immunantwort, der
Motivation und der Gemütslage. Durch den hypo-thalamischen CRF-Überschuss kommt
es bei chronischen Stressbelastungen zu sehr ausgeprägter vegetativer
Symptomatik. In diesem Zusammenhang sind auch die Sexualhormone Teil des
neuroendokrinen Netzwerkes.
Während Östradiol Dopamin
antagonistisch wirkt und neuroprotektiv ist, die Regeneration von den so
ungeheuer wertvollen Nervenzellverbindungen(Synapsen) fördert, die MAO (Monoamindeoxigenase)
hemmt, so dass die Monoaminkonzentration (Dopamin, Noradrenalin, Adrenalin)
erhöht wird, steigert Progesteron die Wirkung des Neurotransmitters Gaba und
reduziert die Aktivität exzitatorischen Neurotransmitter, vor allem durch
Erhöhung der MAO-Aktivität.
DHEA verstärkt die Wirkung
von Serotonin und Noradrenalin, steigert die kognitive Leistungsfähigkeit und
wirkt Schmerz reduzierend und anti depressiv. Als typische Neurotransmitter
assoziierte Symptome gelten, bedingt durch Aktivierung des
neuro-endokrinen-immunologischen Netzwerkes: Müdigkeit, Erschöpfung, Heißhunger,
Konzentra-tionsschwäche, Gewichtszunahme, Kopfschmerzen, Migräne,
Koordinationsstörungen, Muskel-Gelenkschmerzen, Nervosität, Aggression,
Depression, Schlafstörungen, Diarrhön, Obstipation, Gedächtniseinbußen.
Resümee:
Die moderne
Stoffwechsel-Medizin hat viele rätselhafte Symptome des sehr facettenreichen
Krankheitsbildes der Fibromyalgie entschlüsselt und aufgeklärt.
Die Komplexität der
Erkrankung ist jedoch so ausgeprägt, dass nur ganzheitsmedizinisches Vorgehen,
mit Schwerpunkt Stoffwechsel-Analysen, weitere therapeutische Erfolge erbringen
kann.
Dieses Referat ist ein
erster Ansatz in dieser Richtung.
Dr. med. Harald M. Weskott
Arzt für Allgemeinmedizin
Vital-Arzt und Ganzheitsmediziner
Arzt für Naturheilkunde
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Email: dr.weskott@t-online.de