Die wichtigsten Stoffwechselstörungen beim

Fibromyalgie-Syndrom

 

Dem Säure-Basen-Haushalt (SBH) kommt eine enorm wichtige Wertigkeit für die Entstehung und Ausprägung des Krankheitsbildes Fibromyalgie-Syndrom zu.

Der SBH gehört zu den bedeutsamsten übergeordneten biologischen Systemen des Menschen. Fast alle biochemischen Subsysteme kreuzen sich mit dem Säure-Basen-Haushalt. Die meisten Reaktionen im Organismus beinhalten die Aufnahme oder Abgabe eines Säure-Äquivalents (H-Ion oder Proton). Bei allen geregelten chemischen Abläufen im Organismus besteht immer die Tendenz zur Milieuansäuerung.

Ohne entsprechende Gegenmaßnahme würde der menschliche Stoffwechsel entgleisen; die entsprechende Stellgröße, der pH-Wert, nicht in den verschiedenen Organkompartimenten wie Blut, Plasma, Zellen, bindegewebiger Matrix adäquat reguliert.

Ob wir Atmen, Essen, Ausscheiden, uns sportlich betätigen oder Schlafen, immer wird der pH-Wert beeinflusst durch die intra- und extrazelluläre Aktivität der H-Ionen. Der pH-Wert in den einzelnen Körperkompartimenten entscheidet letztendlich über die Bioverfügbarkeit von Sauerstoff, die Durchlässigkeit von Zellmembranen, die Verteilung der Elektrolyte und Moleküle, die Struktur von Bindegewebe, die Struktur und Funktion von Proteinen, sowie über die Wasserbindungsfähigkeit der extracellulären Matrixproteine.

Um hier eine für eine geeignete Homöostase zu sorgen ist der Organismus mit entsprechenden Puffer-Systemen ausgerüstet.

Es gilt also festzuhalten, dass der Säure-Basen-Haushalt der wichtigste Regulator physiologischer Prozesse, die im Stoffwechselablauf darstellt.

Im Stoffwechsel existieren Säuren und Basen, wobei Säuren keine Protonen aufnehmen, während Basen keine Protonen abgeben. Ständig kommt es im Stoffwechsel zur Abgabe oder Aufnahme eines geladenen Teilchens, was als Oxidation (Abgabe) oder Reduktion (Aufnahme) bezeichnet wird.

So laufen im Organismus ständig Säure-Basen Reaktionen neben Oxidationen und Reduktionen ab.

Bezüglich der Schmerz-Ursache, Entstehung und Unterhaltung spielt das oben dargestellte Redox-System eine entscheidende Rolle.

Schmerz ist dabei ein unangenehmes Sinnes- und Gefühlserlebnis, das mit tatsächlicher oder drohender Gewebeschädigung einhergeht. (International Association for the study of pain).

Anderseits ist für den Patienten der Schmerz das, was er als solches auch empfindet.

Um einen Schmerz wahrzunehmen muss dieser über die afferenten Fasern aus der Peripherie zum Zentralnervensystem weitergeleitet werden; dabei ist die Nervenleitung von der Dynamik des Membranpotenzials abhängig. Sensorische Nervenzellen enden blind im Bindegewebe und in der Matrix der Organe. Je nach dem dort herrschenden elektrochemischen Klima werden diese Nerven ein unterschiedliches Ruhepotential aufweisen. Jede pathologische Gewebs-veränderung, sowie jede lokale Azidose (Übersäuerung) mit Kaliumanstieg der Umgebung, wird das zelluläre Membranpotenzials abschwächen.

Damit kommt es zu einem Anstieg der Nervenreizbarkeit, sodass ein Schmerzsignal bereits auf leichte Reize hin ausgelöst werden kann.

Wird das Gewebe entsäuert, kann die Membran repolarisiert werden, was einen wesentlichen schmerzausschaltenden Effekt einer Basen-Therapie mit Bicarbonat und Mineralien darstellt.

Klinisch kann eine intestinale Azidose (Übersäuerung) an Hand der Kibler Falte im Bindegewebe des Rückens analysiert werden. Die Schmerzschwelle ist dabei durch das reduzierte Schwellenpotential erniedrigt. Eine chronische, häufig subklinische metabolische Azidose kommt hier häufig als Ursache in Frage.

Grundsätzlich müssen Schmerzen biochemisch, biophysikalisch in zwei Kategorien unterteilt werden: Entzündliche und degenerative Formen. Diese verlangen gerade aus der Sicht des Säure-Basen-Haushaltes unterschiedliche therapeutische Strategien.

Entzündliche Schmerzen:

Entzündungsschmerzen entstehen durch einen gesteigerten Stoffwechsel und werden vor allem in Ruhe wahrgenommen. Voraussetzung für diesen lebhaften Stoffwechsel ist eine ausreichende Sauerstoffversorgung in der Peripherie. Je mehr Energie für die Endzündung bereitgestellt werden muss, umso intensiver die oxidative Phosphorylierung in den Mitochondrien der Zellen. Dabei steigt die Wahrscheinlichkeit eines Auftretens von vermehrtem oxidativen und nitrosativen Stress in den Mitochondrien, mit erhöhter Produktion freier Radikaler. Durch den hohen Sauerstoffverbrauch und der damit einhergehenden Kohlendioxid( C02) Freisetzung kommt es im Zellplasma zu einem Bikarbonatanstieg. Damit ist nicht primär mit einer metabolischen Azidose zu rechnen. (Vor allem nicht beim Gesunden). Diese entsteht jedoch gerade beim Fibromyalgie-Patienten mit häufig entgleisten oxidativen und nitrosativen Stresses mit schweren Störungen des Energiestoffwechsels der Zellen.

Verschiedene Stressoren induzieren diesen oxidativen und nitrosativen Stress. Ein wichtiger Grund sind häufig Entzündungsreaktionen mit Aktivierung proinflamatorischer Zytokine wie Interleukin 1B, 6, 8, TNF Alpha und IFN Gamma. Tragischer weise induzieren in unserer heutigen, stark umweltbelasteten Zeit auch viele Chemikalien, vor allem polyzyklische Kohlenwasserstoffe, DDT, PCP, Polyphenole, aber auch einige Medikamente und viele Schwermetalle die Entzündungs-Zytokine, sodass die Stoffwechselsituation in den zellulären Kraftwerken der Zellen, den Mitochondrien entgleist. Diese Situation ist typisch für die Fibromyalgie-Erkrankung im frühen und mittleren Stadium. Dadurch entstehen hier entzündliche Schmerzen, obwohl eigentlich eine typische Entzündung, bakteriell oder durch Virusinfektion ausgelöst, nicht besteht. Die „Tender-Points“ entstehen so vermutlich an den Muskel-Sehnen-Knochenübergängen durch sich summierende Stoffwechselstörungen aus metabolischer Azidose (lokale Übersäuerung), oxidativem und nitrosativem Stress, Schadstoffablagerungen, sowie dem zusätzlichen sehr ungünstigen Effekt von Toxinen, die aus dem Reizdarm mit „leaky gut“ in den Körper gelangen.

Von entscheidender therapeutischer Rolle ist die konsequente Förderung der Entgiftung, mit Ausleitung der Schadstoffe, vor allem Schwermetalle, neben der schnellstmöglichen Darmsanierung mit Schließung des „leaky –gut“. Daneben hat sich die Gabe von Antioxidantien, sowie Gabe von Vitalstoffen gegen den NO-Stress mit Förderung des mitochondralen Stoffwechsels sehr bewährt.

Um die energetisch hochgefahrene Situation der Mitochondrien herunter zu fahren mit weniger Sauerstoffverbrauch durch Reduzierung der oxidativen Phosphorylierung (weniger NO und oxidativer Stress, mit weniger Mitochondralen Genschädigungen, sollte der Stoffwechselerfahrene Mediziner eine metabolische Alkalose im Körperstoffwechsel versuchen zu induzieren, um eine Rechtsverschiebung der Sauerstoff-Dissoziationskurve zu erreichen, wodurch weniger Sauerstoff freigesetzt wird und das Entzündungspotential reduziert wird. Zusätzlich sollte peroral abendlich Basenpulver neben antioxidativen Vitalstoffen und vor allem hochdosierten Omega3 Fischöl-Kapseln, verabreicht werden.

Als zweite wichtige Schmerzform ist zu nennen:

Degenerative Schmerzen:

Diese Art von Schmerzen entsteht durch strukturelle Veränderungen, wie sie beispielsweise bei Arthrose, Bandscheibenschäden, aber auch bei Tumor-erkrankungen gefunden werden. Diese Art von Schmerzen manifestiert sich vor allem bei Belastung und klingt häufig in der Ruhe ab. Der Stoffwechsel und der Sauerstoffumsatz und damit die oxidative Phosphorylierung in den Mitochondrien (Zellkraftwerke) sind allgemein reduziert. Es wird weniger Kohlendioxid (Co2) produziert, weshalb die Erytrocyten (rote Blutkörperchen) sauerstoffreich bleiben, ihren Sauerstoff nicht ans Gewebe abgeben. Die Gewebsflüssigkeit (Plasma) erhält von den Erytrocyten kein Bikarbonat und weist deshalb einen leicht metabolischen sauren Charakter auf. Bei der Säure-Basen Analyse (venöse Titration nach Limburg Stirum) ist die Sauerstoff-Versorgung erniedrigt.

Auf die Fibromyalgie-Patienten bezogen bedeutet dieser chronische, degenerative Schmerzzustand mit häufig bestehenden neuropathischen Schmerzen das Bestehen eines fortgeschrittenen Stadiums der Fibromyalgie! Durch die über Jahre bestehende Erkrankung ist es zu schweren Schädigungen der Mitochondrien gekommen mit deutlich gestörter oxidativer Phosphorylierung. Die ATP-Produktion durch aerobe Energiegewinnung ist deutlich heruntergefahren; im Zytoplasma der Zellen imponiert die anaerobe Energiegewinnung aus Glukose via Gärung, die statt 38 ATP bei der aeroben oxidativen Phosphorylierung nur 2 ATP pro Molekül Glucose erbringt.

Therapeutisch wird man versuchen, neben der unbedingt notwendigen Ursachenbekämpfung (Darmsanierung, Behebung des Reizdarmes mit Schließen des „leaky gut“, Schadstoffausleitung via Chelat-Infusionen, Vitalstoffgabe um den chronischen oxidativen und nitrosativen Stress zu reduzieren), den Stoffwechsel und die Durchblutung wieder zu aktivieren. Hier hat es sich bewährt, naturheilkundliche Therapien durchzuführen, wie Ozon-Therapie, hämatogene Oxidations-Therapie (HOT), oder auch sehr effektiv die hämatogene Oxyvenierung. Durch einen oxidativen Stress wird bei diesen Therapien der Organismus angeregt, entsprechende antioxidative Gegenmaßnahmen zu ergreifen, wodurch es via Zytokin-Aktivierung zur Stoffwechselbelebung kommt.

Resümee: Der Stoffwechsel erfahrene Vitalarzt ist der geeignete medizinische Diagnostiker um die Vielfalt der negativen Stoffwechselveränderungen bei Fibromyalgie aufzuspüren! Von einem Syndrom sollte man bei dieser Erkrankung nicht mehr sprechen, da die aneinander gereihten diagnostischen „Puzzel teile“ die Erkrankung transparent machen!

Die gründliche moderne Analyse des Säure-Basen-Haushaltes stellt dabei in der Diagnostik der Fibromyalgie eine der ersten entscheidenden Schritte dar, der die weitere Therapie der Erkrankung bestimmt und einleitet.

 

Dr. med. Harald M. Weskott

Arzt für Allgemeinmedizin

Vital-Arzt und Ganzheitsmediziner

Arzt für Naturheilkunde

Bahnhofstrasse 6

57339 Erndtebrück/ Südwestfalen

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